Als Familienunternehmen bewahren und gestalten wir seit über 200 Jahren die historischen Gebäude und Liegenschaften der ehemaligen Grafschaft Rietberg. Hier finden Sie weitere Hintergründe zu den drei wichtigsten historischen Orten.
Mitte des 14. Jahrhunderts errichteten die Grafen von Rietberg eine neue Burganlage vor den Toren der Stadt. Diese löste die alte Stadtburg ab und wurde aufgrund ihrer Lage in der sumpfigen Emsniederung scherzhaft „dat Dreckslot“ genannt. Wahrscheinlich handelte es sich zunächst um eine Wohnturmburg (Motte), die später ausgebaut wurde.
Nach wechselvoller Geschichte, darunter eine Besetzung durch kaiserliche Truppen 1547 und eine Belagerung 1557, wurde die Burg ab 1605 zu einem prächtigen Renaissance-Schloss umgestaltet. Es erhielt moderne Befestigungen mit Wassergräben, Ravelins und Bastionen. Bis 1623 entstanden weitere Flügel, darunter die Schlosskapelle.
1699 heiratete Maria Ernestine Franziska von Ostfriesland-Rietberg den mährischen Grafen Maximilian Ulrich von Kaunitz, wodurch der Herrschaftssitz seine Funktion als Residenz verlor. Das Schloss wurde vernachlässigt, Teile verfielen, und wertvolles Inventar wurde gestohlen oder verkauft. Schließlich entschied Fürst Dominikus Andreas von Kaunitz-Rietberg 1802, die Ruine abzutragen.
Seit 1822 ist das Schlossgelände im Besitz der Familie Tenge-Rietberg. Es entwickelte sich über die Jahre zu einem vielseitig genutzten Gut: 1846 wurde eine Glashütte errichtet, die jedoch nur wenige Jahre bestand. Um die Jahrhundertwende entstanden auf dem Gelände große Fischteiche zur Karpfenzucht, die bis 1996 betrieben wurden. Heute stehen diese Bereiche unter Naturschutz.
Das Gut Rietberg beherbergt heute 20 Wohneineheiten sowie zwei gewerbliche Einheiten, eine Pflege-WG der Diakonie und eine Hackschnitzelheizanlage. Die historischen Wallanlagen bieten dabei nicht nur einen eindrucksvollen Rahmen, sondern erinnern an die glanzvolle Vergangenheit des Schlosses. Das Gelände vereint heute Naturschutz, Landwirtschaft und historisches Erbe.
Schloss Holte entstand im 15. Jahrhundert als befestigtes herrschaftliches Haus der Grafen von Rietberg am Ölbach. Unter Graf Konrad V. wurde es ausgebaut, möglicherweise als Reaktion auf den Stadtbrand von Rietberg 1457. Das „Haus zur Holte“ erhielt seinen Namen von den angrenzenden, über 3.000 Morgen umfassenden Waldungen. Es diente der Sicherung der territorialen Herrschaft an den Grenzen zu Paderborn und Lippe.
1556 wurde das Schloss während eines Konflikts mit Graf Bernhard VIII. von Lippe zerstört. Ab 1616 entstand auf Veranlassung von Graf Johann III. und Gräfin Sabina Katharina von Ostfriesland-Rietberg ein Renaissance-Jagdschloss. Eine Kapelle, die 1654 geweiht wurde, ist bis heute erhalten. Im 17. Jahrhundert erhielt das Schloss seine heutige Gestalt.
Zum Schloss gehörten ein großes herrschaftliches Vorwerk und eine Mahlmühle. Hinzu kamen eine Papier-, eine Öl- und eine Sägemühle. Es lassen sich darüber hinaus für das 18. Jahrhundert eine Leinwandbleiche und eine Töpferei nachweisen. Im 19. Jahrhundert errichtete der seit 1822 neue Besitzer Friedrich Ludwig Tenge gegenüber dem Schloss die Holter Eisenhütte (Bauzeit 1839–1841).
Hermine, die Tochter von Friedrich Ludwig Tenge und Ihr Ehemann Julius Meyer nahmen ab 1841 Ihren Wohnsitz im Schloss. Zwischen 1843 und 1846 wurde das Schloss unter den beiden zu einem Zentrum für politische Diskussionen. In das Gästebuch von Hermine Meyer trugen sich unter anderem Levin Schücking, Ferdinand Freiligrath und Otto Lüning ein.
Das Schloss wurde als Wasserschloss errichtet und steht auf einer Insel inmitten der Gräfte. Das Hauptgebäude des Schlosses besteht aus einem dreigeschossigen Herrenhaus, dem zur Schauseite hin drei markante Türme mit breit ausladenden Hauben vorgelagert sind, von denen der mittlere ein höherer Treppenturm mit polygonalem Grundriss ist. Umgeben wird das Schloss von niedrigeren Nebengelassen, die vormals als Wirtschaftsgebäude dienten. Die Zufahrtsbrücke ziert ein klassizistisches Geländer aus Eisenguss nach Schinkel-Vorbild, das in der ehemals gegenüberliegenden Holter Eisenhütte hergestellt worden ist.
1980 wurde das Schloss umfangreich saniert und umgebaut. Es beherbergt neben der Schlosskapelle seither drei Wohneinheiten im Hauptgebäude sowie fünf Wohnungen in den Nebengebäuden.
Bereits im 17. Jahrhundert wurde an diesem Ort – aber nicht im heutigen Gebäude – Münzmeister Georg Koenen von Graf Johann III. mit der Prägung von Münzen beauftragt.
Das heutige Haus Münte wurde zwischen 1743 und 1746 unter Graf Maximilian Ulrich von Kaunitz-Rietberg als Kammerverwaltung der Grafschaft und Wohnsitz des Rietberger Drosten errichtet. Der Drost war der höchste gräfliche Beamte an der Spitze der Grafschaftsverwaltung. Zu diesem Zeitpunkt war das Rietberger Schloss bereits im Verfall begriffen und nicht mehr bewohnbar.
Nach 1822 wurde das Haus Sitz der Domänengutsverwaltung der Familie Tenge. Im Vormärz diente es kurzzeitig als Ort sozialistischer Bestrebungen. Unter Therese Tenge (1834-1885), geb. Bolongaro-Crevenna, Ehefrau von Carl Friedrich Tenge (1824-1896), wurde das Gebäude zu einem gesellschaftlichen Zentrum; sogar Karl Marx verewigte sich in ihrem Gästebuch.
Der Dreiflügelbau auf hohem Kellergeschoss beeindruckt durch seine barocke Fassade. Wie bei vielen Bauten des Spätbarock sollten der einheitliche Putz und Anstrich den Eindruck eines Massivbaus erwecken. Die Rückseite jedoch zeigt Fachwerk, das die eigentliche Bauweise verdeutlicht. Um die Jahrhundertwende erhielt das Haus eine Ausstattung im Stil der Neorenaissance. In diesem Zuge wurde auch das Oberlicht in das ansonsten klassizistische Hauptportal eingesetzt.
Das Gebäude dient der Familie Tenge-Rietberg bis heute als Wohnsitz. Seine äußere Gestalt blieb seit seiner Errichtung weitgehend unverändert. 1994 erhielt der Ehrenhof eine Einfriedung aus Eisengitter. Originale Bauelemente, wie eine – wohl über dem Portal angebrachte – Wappentafel von 1745 werden von der Familie aufbewahrt.
